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Georg Friedrich Dinglinger

Hof-Emailleur in Dresden

* Biberach 17.3.1666

† Dresden 24.12.1720

Georg Friedrich Dinglinger

Georg Friedrich wurde als drittes von sechs Kindern einer in der schwäbischen Reichsstadt Biberach an der Riß ansässigen Familie des Messerschmieds Conrad Dinglinger und seiner Frau Anna Margarethe geb. Schopper geboren (getauft am 17. März 1666). Aus der Jugendzeit fehlen Überlieferungen.


Während seine beiden Brüder, Johann Melchior (26.12.1664 – 6.3.1731) und Georg Christoph (6.9.1668 – 28.5.1746), das Goldschmiedehandwerk erlernten, wandte sich Georg Friedrich der Malerei zu und spezialisierte sich auf die Emailmalerei. Im Biberacher Kirchenbuch ist er zu seiner Zeit als Kunstmaler vermerkt.


Über die Orte seine Ausbildung gibt es unterschiedliche Hinweise. Ulm wird genannt. Wahrscheinlicher aber ist (nach Erna von Watzdorf), dass Georg Friedrich seine Ausbildung in Augsburg erfuhr, in der Stadt, in der die Gold– und Silberschmiedekunst in Verbindung mit der Emailmalerei für luxuriöse Gefäße in hoher Blüte stand. Auch weisen seine frühesten Emailmedaillons mit Frauenköpfen, die sich im Grünen Gewölbe befinden, auf Augsburg hin. Studienaufenthalte in Frankreich, wo sein älterer Bruder zur Ausbildung weilte, sind nicht bewiesen.

Seit 1693, ein Jahr nachdem sich sein Bruder Johann Melchior in Dresden niedergelassen hatte, arbeitete der 27jährige Georg Friedrich zeitweilig in dieser Stadt mit seinem Bruder zusammen. Die Brüder wohnten in dem der Frau Dr. Lehmann gehörenden Eckhaus Neumarkt/Moritzgasse. Sein Familienwohnsitz blieb aber vorläufig in Biberach.


Dort heiratete er am 16.5.1695 Catharina Barbara Gutermann, die Tochter des Ratsherrn und Kaufmanns Johann Jacob Gutermann. Catharina Barbara brachte 15 Kinder zur Welt, von denen 11 Kinder nur kurze Zeit gelebt haben. Das 5. Kind: Georg Friedrich Dinglinger (11.1.1702 – 15.2.1785), der später in Hannover Königlich Großbrittannischer und Churfürstlich Hannoverscher Festungsbaumeister wurde, ist der Stammvater der heute im Familienverband Dinglinger zusammengeschlossenen Nachkommen.


Erst 1704 entschloss Georg Friedrich sich, mit seiner Familie „Zuflucht in Sachsen“ zu suchen, weil „die Stadt Biberach in Schwaben leyder in Französische Hände gerathen“ war.


Dresdner Hofrechnungen berichten schon früh von umfangreichen Emailarbeiten Dinglingers für König August den Starken. Dazu gehörten die goldemaillierten Tassen des goldenen Kaffeezeugs, das zwischen 1697 und 1701 entstand.

Die Anerkennung seiner Arbeiten ermutigten Georg Friedrich zu einem Gesuch an den König vom 19.1.1704, um „als Dero Hoff – Amalir“ anerkannt zu werden. Schon kurz darauf, am 11.Februar 1704, erhielt er aus Krakau das Bestallungsdekret als „Königlich Pohlnischer und Churfürstlich Sächßischer Hoff – Ammalirer“.In diesen Jahren schuf Johann Melchior Dinglinger mit seinen Brüdern das wohl bekannteste Kabinettstück „Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng–Zeb“.

Hierfür versah Georg Friedrich die zahlreichen Figuren und zierlichen Bauteile mit den leuchtstarken farbigen Emaillemalereien. Der König soll mit lebhaftem Interesse diese außergewöhnlichen Arbeiten begleitet und bei der Übergabe des Werkes die „emaillirkunst“ ausdrücklich gelobt haben.


Durch die Erfolge seiner Emailarbeiten bei Hofe verbesserte sich die finanzielle Situation seiner Familie, so dass 1711 von seiner Frau ein Haus mit Hof und Garten auf der Pirnaischen Gasse 50 für 450 Taler erworben werden konnte. Aber die Familie blieb nicht vom Unglück verschont. Nach dem frühen Tod vieler Kinder, verstarb im Jahre 1713 seine Ehefrau Catharina Barbara im Alter von 38 Jahren bei der Geburt ihres 15. Kindes. Sie wurde am 22.2.1713 zusammen mit dem tot geborenen Sohn in Dresden begraben.


Drei Jahre später fand Georg Friedrich für seine große Familie eine zweite Ehefrau in der Heimatstadt Biberach. Er heiratete dort am 6.7.1716 Marie Felicitas Wieland (geb. 23.9.1693), die Tochter des Spital-Syndikus, Stadtpflegers und Geheimen Rates Martin Wieland, ein Großonkel des Dichters Christoph Martin Wieland. Marie Felicitas brachte zwei Kinder zur Welt, von denen das jüngste, Sebastian Heinrich Dinglinger (geb. 5.3.1720) sich in London als Juwelier etablierte.


Neben den zahlreichen Emaillearbeiten an den bedeutenden Werken seines Bruders malte Georg Friedrich eine große Zahl von Emaillemedaillons auf ovalen Kupferplatten mit Bildnissen bedeutender Persönlichkeiten. Er hat nicht nur Emaillebildnisse nach Ölgemälden sondern auch nach dem Leben geschaffen. So hat Zar Peter der Große dem Künstler „selbst gesessen“, während er im Hause Johann Melchior Dinglingers auf der Frauengasse im Jahre 1712 gewohnt hat. Eine große Zahl Emailbildnisse von August dem Starken, dem Kurprinzen Friedrich August, Zar Peter dem Großen, dessen Sohn Zarewitsch Alexej, dem Fürsten A. Lubmirski, dem kaiserlichen Botschafter Graf von Stradtmann und vielen anderen sind an den Hof verkauft worden und befinden sich im Grünen Gewölbe. Auch von seinen Familienmitgliedern malte Georg Friedrich zahlreiche Emailbildnisse. Außer Personenbildnissen hat er religiöse und mythologische Gegenstände, Genredarstellungen und Tierstücke in Emaillemalerei geschaffen.

 

Um die Zusammenarbeit mit seinem Bruder zu fördern, kaufte Johann Melchior im Jahre 1718 das neben seinem Haus in der Frauengasse stehende Gebäude für Georg Friedrich und seine Familie. Hier konnte dieser seine schwierigen technischen Versuche an immer großformatigeren Emailgemälden fortsetzen. Hervorzuheben ist das lebensgroße Emailgemälde „Maria“ nach Adam Mányoki, das der König für 1500 Taler erwarb. Auf der Rückseite des Bildes hat der Künstler geschrieben: „NO 1. Diß ist die allererste Probe meiner neu erfundenen Amalier Kunst ins grosse. 1712“.


Aber schon zwei Jahre später wurde er mitten aus regem Schaffen und der unentbehrlich gewordenen Mitarbeit an den Werken seines Bruders gerissen. Georg Friedrich Dinglinger starb am 24. Dezember 1720 im Alter von 54 Jahren.


Eberhard Brenske

Catharina Barbara Gutermann

Ehefrau von Georg Friedrich

* Biberach 19.3.1675

† Dresden 22.2.1713